Dennis Schöner · Human Factors Ingenieur, M.Sc. · Tuttlingen
Technologie sollte menschlich sein.
Ich erforsche, gestalte und baue Dinge, die Menschen verstehen sollen, von empirischer Forschung über Interfaces, Apps und Websites bis zu Plakaten. Evidenz, wo sie zählt. Gestaltung, wo sie wirkt.
Wenn der Roboter stoppt
Kollaborative Roboter scheitern lautlos. In der Fertigung ist Schweigen teuer: Die Bedienperson kann Fehler nicht von Pause unterscheiden, das Arousal steigt, und Vertrauen entkoppelt sich von der tatsächlichen Zuverlässigkeit der Maschine oder überlebt Fehler, die es nicht überleben sollte. Für meine Masterthesis habe ich ein neuro-symbolisches Erklärsystem gebaut und experimentell validiert, mit dem ein Industrieroboter sagen kann, warum.
Szene: mitten in der Montage, Minute 14
Der Roboter stoppt.
Was soll er sagen?
Wähle die Antwort des Roboters. Der Körper der Bedienperson antwortet daneben.
—
Der Roboter stoppt. Das HMI bleibt leer.
Schweigen zwingt die Bedienperson, die Maschine allein zu modellieren. Das Arousal bleibt erhöht, und Vertrauen entkoppelt sich von der tatsächlichen Zuverlässigkeit, es wird geraten statt kollaboriert.
Die Kurven illustrieren die in der Studie beobachteten Reaktionsmuster; die vollständige Statistik steht in der Thesis.
Kausal schlägt Schweigen.
Erklärungen, die die Ursache benennen, senkten den Stress der Bedienperson messbar und hielten das Vertrauen nach Fehlern an der tatsächlichen Zuverlässigkeit kalibriert.
Entschuldigungen bringen nichts.
Die Entschuldigungs-Rahmung erzeugte keinen messbaren Vorteil gegenüber der Ursache allein. Höflichkeit ohne Information ist Rauschen, eine Designimplikation, keine Nettigkeit.
Kurz schlägt lang.
Die Wirksamkeit erreichte zwischen kurzer und langer Variante eine Schwelle. Danach halfen zusätzliche Worte nicht mehr. Erklärtiefe ist ein Designparameter.
Methode: Within-Subjects-Wizard-of-Oz-Experiment, N = 16, industrieller Sechs-Achs-Roboter (fruitcore HORST900), kollaborative Lego-Montage mit kontrollierter Fehlerinjektion. Maße: elektrodermale Aktivität, Herzrate, SAM-Selbstbericht, Vertrauensfragebögen. Stack: YOLOv8-Perzeption, symbolische Kausal-Engine, Flask/SocketIO-Backend, Modbus TCP, Tablet-HMI.
Mit den Transparenzpflichten des EU AI Act für Hochrisikosysteme hört „die Maschine soll sich erklären“ auf, gute Human-Factors-Praxis zu sein — und wird zur Compliance-Anforderung. Diese Forschung sitzt genau in dieser Lücke.
EU AI Act · Art. 13 — Transparenz und Bereitstellung von Informationen für BetreiberErinnerung, die am Ort wohnt
Permy ist eine Android-App für NFC-basiertes Habit- und Zustands-Tracking, entworfen mit exekutiven Funktionsdefiziten als erstklassigem Designparameter, nicht als Randnotiz. Drei NFC-Tags an drei Orten: Medikamentenschrank, Haustür, Schreibtisch. Ein Tap ans Handy genügt, die App bleibt geschlossen. Jede Woche wächst ein Baumring, unregelmäßige Wochen formen ihn anders, statt eine Kette zu brechen.
- Baumringe statt Streaks: verpasste Tage erzeugen Form, nicht Schuld, keine Lücke, keine kaputte Kette.
- Die App bleibt zu: Logging passiert am Ort über den Tag, nicht im Interface. Kein Feed, kein Sog.
- Lokal statt Cloud: Room/SQLite auf dem Gerät, keine Konten, keine Server, keine Abhängigkeit.
Eine Warteliste ohne erfundene Zahlen
Die Landingpage zu Permy muss ein Produkt verkaufen, das noch nicht erschienen ist. Keine Nutzerzahlen, keine Reviews, kein Store-Rating. Statt Social Proof zu simulieren, erklärt die Seite das Problem, zeigt die Geste und legt die Entscheidungen offen, die im Produkt nachprüfbar sind. Ziel ist genau eine Handlung: auf die Warteliste.
- „Belege“ statt Bewertungen: Wo keine Nutzer sind, stehen Entscheidungen, jede mit dem bequemeren Weg, der nicht gegangen wurde.
- Die Warteliste fragt nur eine Sache mehr als die E-Mail: welcher Anker zuerst. Die Anmeldung wird zur Produktforschung.
- Honeypot statt Captcha: Bots füllen ein unsichtbares Feld aus, Menschen lösen kein Rätsel.
- Bewegung mit Rückfallebene: GSAP, wenn verfügbar, sonst ein IntersectionObserver, und bei reduzierter Bewegung gar keine Animation.
Ein Showroom statt eines Katalogs
Shop-Frontend für Focus & Flow Co.: handgegossene Kerzen, bedruckte Taschen und Lesezeichen, ADHS-Planer und Wedding-Dance-Planer. Vier Sortimente, die wenig gemeinsam haben, außer dass sie von Hand gemacht sind. Statt eines Rasters mit Filterleiste bekommt jede Produktwelt einen eigenen Raum: eigene Farbe, eigenes Motiv, eigener kurzer Film. Acht Objekte, zum Anschauen gedacht, nicht zum Durchscrollen.
- Die Startseite ist die Navigation: vier Paneele, vier Sortimente. Wer ankommt, wählt eine Welt, bevor er ein Produkt sieht.
- Jedes Motiv erzählt sein Sortiment: Flamme, Höhenlinien, verstreute Striche für den Kopf im Sturm, zwei Kreise für das Paar.
- Fakten statt Adjektive auf der Karte: Brenndauer 35 h, 192 Seiten, 14 l Volumen. Die Zahl sagt mehr als „hochwertig“.
- Filme laden nur ihre Metadaten und ein Standbild, bis sie gebraucht werden. Stimmung ohne Wartezeit.
Sechs Wochen bis zum ersten Tanz
Website für Lisa Kern, private Tanzlehrerin für Hochzeitspaare in Donaueschingen und Tuttlingen. Die Zielgruppe hat meist wenig Zeit, kein Tanzvorwissen und eine konkrete Sorge: Schaffen wir das noch? Die Seite beantwortet genau diese Frage, in drei Schritten, drei Preisen und einem Formular, das nach dem fragt, was Lisa für ihre Antwort braucht.
- Die Knappheit ist echt und steht da: nur zwei Paare gleichzeitig. Kein Countdown, kein „nur noch heute“.
- Preise gelten für das Paar, nicht pro Person, und die Anfahrt ist inklusive. Die häufigste Rückfrage ist beantwortet, bevor sie gestellt wird.
- Fehlt etwas im Formular, sagt die Seite wie viel („2 Felder fehlen noch“) und setzt den Fokus direkt ins erste leere Feld.
- Das Hero-Video pausiert außerhalb des Sichtfelds und im Hintergrund-Tab und bleibt bei reduzierter Bewegung ganz stehen.
63 Bilder, die man mitnehmen darf
Landingpage für PicturesbyMarc, die Naturfotografie von Marc C. Schöner zwischen Donau und Schwäbischer Alb. Kein Shop und kein Stock-Katalog: Die Bilder sind kostenlos und sollen benutzt werden. Also führt die ganze Seite auf eine einzige Handlung zu — Bild öffnen, Größe wählen, herunterladen. Ohne Konto, ohne Wasserzeichen, ohne Newsletter.
- Die Dateigröße steht auf dem Button: „Web · 0,3 MB“ gegen „Original · 3,3 MB“. Die Wahl fällt vor dem Klick, nicht später im Downloadordner.
- Die Eingangssequenz läuft einmal pro Sitzung und entfällt vollständig, wenn das System reduzierte Bewegung anfordert (prefers-reduced-motion): Zeremonie für den ersten Besuch, freier Weg für jeden weiteren.
- Ortsnamen statt Bildnummern: Bärengraben, Hohenkarpfen, Donau Nendingen. Wer aus der Gegend kommt, erkennt den Ort, bevor er die Bildunterschrift liest.
- Die Lizenz steht in drei Sätzen statt in einem Rechtstext: privat einfach machen, öffentlich mit Namen, kommerziell kurz fragen.
Drei Plakate, drei Tonlagen
Gestaltung außerhalb des Pflichtenhefts: Wissenschaftskommunikation, Produkt, Sport. Gleiche Werkzeuge, andere Haltung — jedes Format bekommt seine eigene Typografie und Farblogik.

Reale vs. virtuelle Mensch-Roboter-Kollaboration
Konferenzposter zur publizierten Studie (N = 46): emotionale und psychophysiologische Reaktionen (EKG, EDA) bei kollaborativen Montageaufgaben in realer und virtueller Arbeitsumgebung. Zwei-Spalten-Raster, klare Lesehierarchie von Einführung bis Diskussion — die Daten führen, die Gestaltung trägt.

TOMA-TO — Fokus zum Anfassen
Onepager für einen selbst entwickelten Pomodoro-Fokus-Timer: 3D-gedrucktes Gehäuse, 2,7″-e-Paper-Display, ESP32 Xiao C6, EC11-Drehencoder und eigene Leiterplatte. Das Plakat übersetzt die Produkthaltung — keine Apps, keine blinkenden Zahlen — in Retro-Blocktypo und das Orange des Drehknopfs als einzige Signalfarbe.

FV Möhringen 1920
Plakat für einen Amateurfußballverein: Mannschaftsfoto, Spielszene und Wappen liegen auf einem Grund aus dem endlos wiederholten Vereinsnamen. Das Wappen bleibt bewusst unsauber — durch Scanline- und Displacement-Artefakte gebrochen, damit das Vereinssymbol nicht wie ein Logo im Reinzeichnungsraster wirkt, sondern wie etwas Gewachsenes. Zwei Typo-Register laufen gegeneinander: das ausgeschriebene Gründungsjahr oben links als ruhige Setzung, der Schriftzug unten als Kontaktabzug im Anschnitt.
Schöner, Birkle & Wagner-Hartl · 2025
Emotional and Psychophysiological Reactions While Performing a Collaborative Task with an Industrial Robot in Real and Virtual Working Settings
Eine Schleife, vier Modi
- Experimentaldesign
- Psychophysiologie · EDA / HF
- Statistik · Mixed Models
- Usability-Testing
- Eye-Tracking
- Kognitionspsychologie
- Interaction Design
- Industrielle HMIs
- Designsysteme
- Figma · Prototyping
- Grafik & Editorial
- Barrierefreiheit
- Explainable AI
- Mensch-KI-Vertrauen
- Neuro-symbolische Systeme
- Computer Vision · YOLOv8
- LLM-Interfaces
- EU AI Act
- Kotlin · Jetpack Compose
- Java · Flutter · Dart
- Python · Flask · SocketIO
- HTML · CSS · JavaScript
- Robotik · Modbus TCP
- Rapid Prototyping